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Vorteile eines Strafbefehls

Natürlich ist der Strafbefehl selbst eine unerfreuliche Sache – wer wird schon gerne bestraft? Er hat gegenüber dem regulären Strafverfahren aber auch einige Vorteile, die nicht unerwähnt bleiben sollen:

  • Keine öffentliche Hauptverhandlung. Für viele Betroffene ist das ein sehr wichtiger Grund, einen Strafbefehl zu akzeptieren. Auch wenn die Sorge, dass die Nachbarn, der Chef, Freunde oder Bekannt von der Verhandlung erfahren, in den meisten Fällen unberechtigt ist, möchten viele Betroffene die Hauptverhandlung vermeiden. Denn Gerichtsverhandlungen in einem Strafverfahren sind öffentlich, nicht jeder möchte „seine Tat“ in so einem Rahmen verhandelt wissen. Und natürlich ist es unangenehm, als „Angeklagter“ vor Gericht zu müssen. Wer keinen Einspruch gegen den Strafbefehl einlegt, kann sich die öffentliche Verhandlung ersparen. Wer allerdings einen Anwalt einschaltet, kann sich nach einem Einspruch gegen den Strafbefehl vom Rechtsanwalt  in der Hauptverhandlung vertreten lassen.
  • Keine zeitintensive Hauptverhandlung. Für berufstätige Beschuldigte kann dies ein Argument sein, da Hauptverhandlungen zumeist vormittags stattfinden und Wartezeiten bei Gericht nicht selten sind.
  • Schnelle Erledigung. Das Strafverfahren ist mit einem Strafbefehl schneller erledigt als mit dem regulären Verfahren mit einer Hauptverhandlung. Wer das schwebende Verfahren schnell „hinter sich bringen“ will, wird die schnelle Erledigung der Sache im Strafbefehlsverfahren als Vorteil ansehen.
  • Geringere Kosten. Im Strafverfahren trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens, wenn er verurteilt wird. Dazu zählen die Gerichtskosten, die Kosten und Auslagen der Zeugen, gegebenenfalls auch die Kosten eines Gutachters usw. Das Strafbefehlsverfahren ist günstiger, weil die Gerichtskosten niedriger sind als im regulären Verfahren und einige der Kosten gar nicht erst entstehen (z. B. die Auslagen der Zeugen für die Anreise zur Hauptverhandlung). Näheres dazu lesen Sie unter ‘Kosten des Strafbefehlsverfahrens’.
  • Oberflächliche Ermittlungen. Das zügige Verfahren und die Entscheidung nach Aktenlage kann es mit sich bringen, dass nicht sehr intensiv ermittelt wird. Unter Umständen bleiben so Teile der Tat oder Folgen der Tat im Verborgenen, die nach Erlass des Strafbefehls nicht mehr verfolgt werden können. Auch eine nachträgliche „Berichtigung“ des Strafbefehls wäre unzulässig. In einer mündlichen Hauptverhandlung hingegen können weitere Details offenbar werden, die den Vorwurf erschweren. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass der geschädigte Zeuge in der Gerichtsverhandlung davon berichtet, dass seine Verletzungen immer noch nicht verheilt sind und er nach wie vor unter den Folgen der Tat leidet. Solche Aussagen können in der Strafzumessung zu Ungunsten des Angeklagten berücksichtigt werden. Im Strafbefehlsverfahren wäre dieser Umstand nicht bekannt geworden.

Vor allem dann, wenn im Ermittlungsverfahren die Rede davon ist, dass der Staatsanwalt einen Antrag auf Erlass eines Strafbefehls stellen wird, müssen die Vorteile des Strafbefehls in den Blick genommen werden. Lassen Sie sich von Ihrem Strafverteidiger beraten!

 

 

 

Rechtsanwalt Albrecht Popken LL.M.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Albrecht Popken LL.M. verteidigt Mandaten in Berlin und bundesweit – nicht nur gegen Strafbefehle. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Verteidigung im Allgemeinen Strafrecht und im Verkehrsstrafrecht.

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