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Strafbefehl: Ist ein Rechtsanwalt erforderlich?

Es ist kein Geheimnis: Ein Rechtsanwalt kostet Geld. Rechtsschutzversicherungen übernehmen die Kosten einer Strafverteidigung nur selten, Prozesskostenhilfe im Strafrecht gibt es gar nicht, Beratungshilfe nur sehr eingeschränkt. Selbst im Falle eines Freispruchs kann es sein, dass Ihnen die Kosten Ihres Anwalts nicht in vollem Umfang erstattet werden (das kommt auf die Vereinbarung mit dem Anwalt an). Schon wegen der Kosten, die mit einem Rechtsanwalt verbunden sind, drängt sich die Frage auf, ob es sinnvoll und notwendig ist, einen Strafverteidiger zu engagieren, wenn man einen Strafbefehl bekommen hat.

Anwaltskosten im Strafbefehlsverfahren

Rechtsanwalt mit Gesetzbuch - copyright Kzenon FotoliaEin Anwalt wird Ihnen natürlich in aller Regel sagen, dass seine Tätigkeit in jedem Fall wichtig und unverzichtbar ist – schließlich will er seine Dienstleistung verkaufen. Das ist aber nicht immer richtig, denn es gibt durchaus Fälle, in denen ein Anwalt Kosten verursacht, in der Sache selbst aber nicht viel ausrichten kann. Hat der Mandant beispielsweise einen Strafbefehl zu 40 Tagessätzen à 15 Euro bekommen und gelingt es dem Anwalt nach Einspruch und Hauptverhandlung, diesen auf 30 Tagessätze à 10 Euro zu „drücken“, dann steht der Mandant am Ende schlechter da als am Anfang, denn die „gesparten“ 300 Euro werden von den Anwalts- und Gerichtskosten aufgezehrt.

Umso wichtiger ist es deshalb, diese Fragen vor der Beauftragung zu klären. Der Mandant muss wissen, welche Kosten auf ihn zukommen. Auch muss darüber gesprochen werden, welches Ziel der Mandant mit dem Einspruch eigentlich erreichen will. Oft kann schon im Vorfeld geklärt werden, ob dieses Ziel überhaupt realistisch ist – in manchen Fällen kann diese Einschätzung aber erst nach der Akteneinsicht erfolgen. Geprüft werden muss auch, ob der Einspruch beschränkt werden soll – auch für diese Frage ist anwaltliche Beratung in der Regel unerlässlich.

Kein Anwaltszwang im Strafbefehlsverfahren

Zwingend ist die Beteiligung eines Anwalts im Strafbefehlsverfahren nicht. Sie können also durchaus selbst den Einspruch einlegen und auch ohne Verteidiger in die Hauptverhandlung gehen. Die Erfahrung zeigt aber, dass das oft nicht sinnvoll ist. Der Richter will gute Gründe wissen, weshalb der Beschuldigte gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt hat. Gelingt es dem Beschuldigten nicht, diese Gründe für den Richter nachvollziehbar darzulegen, kann es passieren, dass der Richter den Beschuldigten im Urteil härter bestraft als es im Strafbefehl der Fall war, weil er den Einspruch für mutwillig hält oder den Beschuldigten für uneinsichtig (vgl. hierzu auch ‘Risiko eines Einspruchs’).

Hinzu kommt, dass der Rechtsanwalt im Verfahren Akteneinsicht nehmen wird – das ist dem Beschuldigtern nicht im gleichen Umfang möglich. Mit der Akteneinsicht kann der Anwalt den Einspruch gegen den Strafbefehl sehr viel besser begründen. Schließlich kommt es natürlich auch im Strafbefehlsverfahren häufig darauf an, die prozessualen Rechte des Beschuldigten in der richtigen Form geltend zu machen. Gerade dann, wenn der Tatvorwurf bestritten wird, kann es darauf ankommen, die richtigen Beweisanträge zu stellen – spätestens dann wird der Rechtsanwalt wohl für die meisten Beschuldigten unverzichtbar.

Meine Empfehlung: Legen Sie nicht unüberlegt Einspruch gegen einen Strafbefehl ein, sondern sprechen Sie vorher mit einem im Strafrecht versierten Rechtsanwalt. Er wird die Erfolgsaussichten des Einspruchs beurteilen können, er wird Ihnen auch sagen können, ob Ihre Gründe, weshalb Sie gegen den Strafbefehl vorgehen wollen, vor Gericht Gehör finden werden. Denken Sie daran: Auch wenn das Juristendeutsch für Außenstehende oft unverständlich ist – Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwalt sprechen die gleiche Sprache.  Gerade dann, wenn der Vorwurf bestritten wird, kann die Mitwirkung eines Anwalts unerlässlich sein.

 

 

 

Rechtsanwalt Albrecht Popken LL.M.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Albrecht Popken LL.M. verteidigt Mandaten in Berlin und bundesweit - nicht nur gegen Strafbefehle. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Verteidigung im Allgemeinen Strafrecht und im Verkehrsstrafrecht.

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