skip to Main Content
Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen oder nicht?

Sie überlegen, ob Sie gegen den Strafbefehl Einspruch einlegen sollen? Viele Strafbefehle sind falsch, ein Einspruch kann deshalb sinnvoll sein. Dabei muss gar nicht in jedem Fall der Freispruch das Ziel des Einspruchs sein. Auch eine Reduzierung der Geldstrafe oder die Vermeidung des Eintrags im Bundeszentralregister können Ziele des Einspruchs sein. In vielen Fällen gelingt das auch, denn die Tagessätze sind oft überschätzt, oft kommt statt des Strafbefehls auch eine Einstellung gegen Auflagen in Betracht. Es gibt also gute Gründe, den Strafbefehl mit einem Einspruch anzugreifen.

Auf der anderen Seite bringt der Einspruch auch Risiken mit sich, denn die Strafe im Urteil nach dem Einspruch kann höher ausfallen als die Strafe im Strafbefehl! Deshalb ist es wichtig, sich zu informieren, bevor man gegen den Strafbefehl Einspruch einlegt.

Achtung! Im Strafbefehlsverfahren gilt das sog. Verschlechterungsverbot nicht. Das bedeutet, dass die Sache nach einem Einspuch auch schlimmer werden kann. Der Richter kann in der Hauptverhandlung nach dem Einspruch eine höhere Strafe verhängen!

Man sollte aber nicht den Fehler machen, wegen der bestehenden Risiken einen Strafbefehl zu akzeptieren, der falsch ist. Denn es gibt durchaus Möglichkeiten, die Risiken des Einspruchs realistisch zu kalkulieren und gegen die Chancen eines Einspruchs abzuwägen. Bei der Entscheidung, ob Einspruch eingelegt werden sollte oder nicht, kann der Rat eines erfahrenen Rechtsanwalts hilfreich sein. Ein Anwalt, der häufig in Strafbefehlsverfahren verteidigt hat, weiß, welche Ziele im Verfahren realistisch erreicht werden können und welche nicht. Er wird auch wissen, mit welcher Verteidigungsstrategie sich das Ziel am besten erreichen lässt.

Was passiert, wenn ich keinen Einspruch einlege?

Wenn Sie keinen Einspruch einlegen dann wird der Strafbefehl rechtskräftig, das heißt er wirkt genauso wie ein Urteil. Die Strafe wird in das Bundeszentralregister eingetragen, unter Umständen auch in das Führungszeugnis. Gegen den rechtskräftigen Strafbefehl können Sie grundsätzlich nichts mehr unternehmen. In manchen Fällen drohen Nebenfolgen zivil- oder arbeitsrechtlicher Art. Auch der Führerschein kann betroffen sein, wenn die Verurteilung dem Verkehrszentralregister mitgeteilt wird. Bevor Sie den Strafbefehl akzeptieren, sollten Sie absolut sicher sein, dass sich die Nebenfolgen der Verurteilung in Ihrem Fall nicht ausnahmsweise als die eigentliche Strafe darstellen!

Was geschieht, wenn gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt wird?

Wenn Sie gegen den Strafbefehl Einspruch einlegen, wird der Richter den Termin für die Hauptverhandlung bestimmen. Mehrere Wochen, häufig auch Monate nach Ihrem Einspruch werden Sie zu dem Termin geladen. Sie müssen erscheinen, es sei denn, Sie lassen sich vor Gericht von einem Rechtsanwalt vertreten. Erscheinen Sie nicht und sind auch nicht entschuldigt, wird Ihr Einspruch gegen den Strafbefehl verworfen (vgl. § 412 StPO).

Die Hauptverhandlung im Strafbefehlsverfahren unterscheidet sich nur wenig von einer regulären Hauptverhandlung. Der Strafbefehl ersetzt nun die Anklageschrift. Die Hauptverhandlung kann in vielen Fällen vermieden werden. Das Verfahren kann nämlich in jedem Verfahrensabschnitt auch eingestellt werden. Gerade dann, wenn Verteidigungsziel nicht der Freispruch ist, sondern die Einstellung des Verfahrens, wird Ihr Anwalt oft die Hauptverhandlung vermeiden können.

Wie legt man gegen den Strafbefehl Einspruch ein?

Der Einspruch selbst muss schriftlich eingelegt werden (per Fax genügt). Alternativ kann er „zu Protokoll der Geschäftsstelle“ eingelegt werden, das heißt, Sie gehen persönlich zu dem Amtsgericht, dass den Strafbefehl erlassen hat und geben dort den Einspruch mündlich zu Protokoll – ein wohl eher umständliches Vorgehen.

Inhaltliche Anforderungen an den Einspruch gibt es nicht. Solange erkennbar ist, dass Sie gegen den Strafbefehl Einspruch einlegen wollen, reicht eigentlich – unter Angabe des Aktenzeichens – ein einziger Satz:

„Gegen den Strafbefehl lege ich Einspruch ein. Unterschrift“

Einspruch: Begründung ist wichtig!

Ein Einspruch gegen den Strafbefehl sollte begründet werden, damit der Richter weiß, warum Sie die Strafe nicht akzeptieren. Es ist am sinnvollsten, einen Fachanwalt für Strafrecht mit der Einspruchseinlegung und Begründung zu beauftragen. Der Anwalt kann Akteneinsicht beantragen, schon deshalb kann er den Einspruch in der Regel sehr viel besser begründen.
Sollten Sie keinen Anwalt beauftragen wollen (oder können), dann sollten Sie erwägen, entweder selbst Akteneinsicht bei Gericht zu beantragen oder einen Anwalt wenigstens nur mit der Akteneinsicht zu beauftragen. Das ist vergleichsweise preiswert. Wenn Sie wissen, was Ihnen genau vorgeworfen wird, was Inhalt der Ermittlungsakte ist, was die Zeugen ausgesagt haben und wie die Beweislage ist, dann kann auch der Einspruch gegen den Strafbefehl sehr viel besser begründet werden.

Lesen Sie mehr zum Einspruch:

Kann die Einspruchsfrist verlängert werden?

Die Einspruchsfrist im Strafbefehlsverfahren ist kurz - nur zwei Wochen. Häufig wird deshalb gefragt, ob die Frist verlängert werden kann. Warum das keine gute Idee ist, lesen Sie hier.
Lesen...

Der Einspruch gegen die Anzahl der Tagessätze

Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen, um die Anzahl der Tagessätze zu reduzieren? Wann macht der Einspruch gegen die Anzahl der Tagessätze Sinn?
Lesen...

Was bedeutet: „Einspruch zu Protokoll der Geschäftsstelle einlegen“?

Was bedeutet: "Einspruch zu Protokoll der Geschäftsstelle einlegen"? in der Rechtsmittelbelehrung des Strafbefehls?
Lesen...
Back To Top
Search