Strafbefehl und Bußgeldbescheid – Was sind die Unterschiede?

Strafbefehle werden häufig mit Bußgeldbescheiden verwechselt. Auf den ersten Blick gibt es auch zahlreiche Ähnlichkeiten: Ein Schreiben wird zugestellt, man soll eine Strafe zahlen. Nun kann man entscheiden – entweder bezahlen oder Einspruch einlegen. Wählt man den Einspruch, kommt es (meist) zu einer Gerichtsverhandlung, am Ende wird durch Urteil entschieden.

Bussgeldbescheid, Strafbefehl, was sind die UnterschiedeAuch wenn es auf den ersten Blick diese Ähnlichkeiten zwischen dem Strafbefehl und dem Bußgeldbescheid gibt – bei genauer Betrachtung gibt es nicht nur erhebliche Unterschiede, tatsächlich haben beide miteinander nichts zu tun, sie betreffen nämlich unterschiedliche Rechtsgebiete und besagen etwas vollkommen anderes.

Ein Bußgeldbescheid wird wegen einer Ordnungswidrigkeit verhängt. Ordnungswidrigkeiten sind in zahlreichen Gesetzen enthalten, praktisch sehr wichtig sind zum Beispiel die Ordnungswidrigkeiten in der Straßenverkehrsordnung. Wer zu schnell fährt, riskiert, dass ihm mit einem Bußgeldbescheid ein Bußgeld auferlegt wird. Das Verfahren selbst, also wie ihm das Bußgeld auferlegt wird, wie der Bescheid ergehen muss, was nach dem Einspruch geschieht usw. ist im Ordnungswidrigkeitengesetz geregelt. Ein Bußgeldbescheid wegen einer Ordnungswidrigkeit hat niemals eine Eintragung im Bundeszentralregister oder im Führungszeugnis zur Folge, allerdings werden Ordnungswidrigkeiten durchaus in anderen Registern eingetragen (z. B. im Fahreignungsregister).

Ein Strafbefehl betrifft immer eine Straftat. Mit dem Strafbefehl werden Kriminalstrafen verhängt, geahndet wird der Verstoß gegen ein Strafgesetz. Strafgesetze sind im Vergleich zu den Ordnungswidrigkeiten sozusagen eine „ganz andere Liga“. Wer einen Strafbefehl erhält, gilt vor dem Gesetz als Straftäter, ein Strafbefehl führt immer zu einer Eintragung im Bundeszentralregister, unter Umständen auch zu einem Eintrag im Führungszeugnis.

Strafbefehl und Bußgeldbescheid sind also nur auf den ersten Blick ähnlich

In beiden Fällen muss eine Strafe bzw. Geldbuße bezahlt werden, beide können „Punkte“ nach sich ziehen (hier mehr zu den Punkten nach einem Strafbefehl). Der Strafbefehl kann aber nicht nur sehr viel weitreichendere Konsequenzen haben, er besagt auch etwas ganz anderes als der Bußgeldbescheid. Man sollte den Strafbefehl daher nicht zu leicht nehmen und sehr genau prüfen, ob man auf den Einspruch gegen den Strafbefehl verzichtet.

Rechtsanwalt Albrecht Popken LL.M.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Albrecht Popken LL.M. verteidigt Mandaten in Berlin und bundesweit - nicht nur gegen Strafbefehle. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Verteidigung im Allgemeinen Strafrecht und im Verkehrsstrafrecht.

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